diesmal habe ich mich an einer kleinen Kurzgeschichte versucht, deren Schreibstil mal etwas anders sein soll. Es ist einfach ein kleines Experiment und ich hatte mal Lust drauf. Viel Spaß beim lesen:
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Glücklich.
Es war spät in der Nacht – Er vernahm das Geräusch, dann sprang er instinktiv und nahezu mit mechanischer Präzision auf und zog sich an, er gab seiner Frau keinen Kuss, das tat er nie, wenn ihn das schrille Geräusch weckte – Es war bei weitem nicht das erste mal. Nachdem er den Flur durchquert hatte, rannte er aus der Tür und zog sie hinter sich zu. Kurz darauf gab er Gas und raste, in seinem Auto in die regnerische Nacht hinein. Auf dem Hof angekommen parkte er eilig – er war natürlich nicht der erste – steig aus und jagte durch die Nässe die vom Himmel auf ihn herein brach zum Eingang.
Drinnen zog er sich nochmals an, obwohl er vorher auch schon was an hatte. Er hetzte wieder aus dem Haus und wartete mit den Anderen vor der Tür und im Regen. Ein großes der vielen Fahrzeuge in den Fahrzeughallen fuhr hinaus – sie steigen ein – er auf seinen Platz – sein Mann auf seinen Platz – der Rest auf die anderen Plätze. "Voll?" - fragte eine Stimme aus der Fahrerkabine – "Voll!", ertönte die Antwort aus den müden Kehlen der Mitfahrer – mehr genuschelt als gesagt – doch er war hellwach, trotz das er vor wenigen Minuten aus seiner Tiefschlafphase gerissen wurde. Der Fahrer gab Gas und auf den Gebäuden neben der Straße wurden Lichtblitze widergespiegelt – sie waren blau.
Die Faust in seiner Brust ballte sich zusammen, lies wieder los, ballte sich wieder zusammen und lies wieder los, sehr schnell und pumpte damit unaufhörlich den stressbedingte, biochemischen Botenstoff, vermischt mit der regulären Körperflüssigkeit durch sein inneres System, der die Faust noch schneller arbeiten lies. Ein leichtes Zittern machte sich in ihm breit, als er begann – wie ihm befohlen wurde – die schweren Flaschen auf seinen Rücken zu befestigen. Er zerrte an den Gurten und Riemen, er prüfte Ventile und die Anzeige des Barometers – alles in Ordnung, er prüfte trotzdem nochmals. Seltsamerweise beruhigte ihn das eher bedrohliche Singsang von draußen, der sich immer wiederholenden Tonfolge a'-d", welches die meisten eher aufschrecken lies.
Kurz bevor sie da waren stülpten er und sein Mann sich die Masken über das Gesicht und saßen ab vom Fahrzeug. Ein kurzes Schaudern fuhr ihm durch den Körper als er das bedrohliche Schauspiel sah, wegen dem sie alle hier waren – Hinter ein paar Straßenecken hörte er noch mehr Singsang der a'-d“ -Tonfolge, welches schnell näher kam – Viele andere waren ebenfalls unterwegs.
Fast alle Fenster des vierten und fünften Stockwerkes des Gebäudes sahen aus, als würden lange, rot-gelbe Finger nach der Luft außerhalb des Hauses greifen und aus dem Dach quollen tiefschwarze, scheinbar endlose, Säulen in den Himmel. Kurz bevor er den Schlauch an die Maske anschloss, roch er die verbrannte und stickige Luft.
Er und sein Mann schnappten sich was sie brauchten, nachdem er sich das kleine, schwarze Kommunikationsgerät in die Brusttasche seiner Jacke gesteckt hatte, warf er sich einen Beutel um die Schulter, welcher eine lange Leine enthielt. Beide stapften schweren Schrittes zum Hauseingang aus dem ebenfalls schwarze, undurchsichtige Masse quoll – sie betraten die Dunkelheit, die wohl in diesem Augenblick die Hölle auf Erden sein mochte.
Das Ziel war ihnen genausten bekannt und sie tasteten sich Stück für Stück durch das Treppenhaus nach oben ins Zielstockwerk – das Fünfte – um dort ihrer Aufgabe nachzugehen. Auf der Höhe des vierten Stockwerkes war es bereits unsäglich heiß und das Mauerwerk um sie herum schien zu glühen, auch wenn sie es nicht sehen konnte. Dafür hörten sie alles. Das Knistern, das Krachen, der unregelmäßige Sog der an ihnen zerrte und die verzerrten, kratzigen Stimmen aus dem Kommunikationsgerät in seiner Jackentasche. Die Treppe war überwiegend aus Holz und das machte ihm Angst, doch er schluckte sie herunter und sein Mann bearbeitete die Treppe hinter sich mit Wasser um sie zu kühlen. Sie versuchten alles so professionell und nach Vorschrift wie es ihnen möglich war zu machen, doch sie durften keine Zeit verlieren. Er ahnte, dass sie durch diese Treppe nicht mehr nach unten kommen werden.
"Verdammt das machst du nicht zum ersten mal.", beruhigte er sich in Gedanken und sie krochen weiter, so nahm am Boden wie möglich. Treppenstufen knarrten unter ihnen, als wollen sie sich über ihr schweres Gewicht beklagen.
Im fünften Stock angekommen, machte man eine kurze Meldung: "Sind jetzt im fünften Stock – beginnen mit der Suche." - doch die Suche sollte nicht lange dauern.
Wie erwartet, schien hier oben wahrlich die Hölle los gebrochen zu sein und nachdem der Flur notdürftig von den züngelnden, peitschenden, rot-gelben Fingern befreit war – zumindest so das man ihn passieren konnte – machten sie sich an der Tür in den ersten Raum zu schaffen. Als das Schloss endlich nachgab betraten sie den einzigen wohl nicht völlig schwarzen Raum des fünften Stockwerkes. Dennoch, die sengende Hitze von Oben, Unten und allen Seiten war auch hier präsent. Beide schwenkten den Blick durch den Raum, entdeckten aber nicht was sie suchten. Bis sein Mann auf eine Tür zeigte, die wie die Tür eines begehbaren Schrankes aussah. So schnell es möglich war, krochen sie zu der Tür – Nebenbei sprühte sein Mann immer wieder Wasser durch den Raum um die Wände ein wenig zu kühlen, doch es half nichts. Vor der Öffnung griff er kurz in seine Tasche und zog eine kleine Haube heraus, die Ähnlichkeit mit einer Gasmaske hatte – dann öffneten sie die Tür.
Das kleine Mädchen weinte, welches sich hinter der Tür verbarg, weinte und erschrak als sie die zwei unheimlichen Gestalten sah, die ihr Versteck entlarvten. Beide versuchen so beruhigend die möglich durch ihre Masken drein zu schauen und stülpten dem Mädchen die Haube über – Sie weinte in Panik verfallen nicht heftiger, doch die er und sein Mann zerrten sie zum Fenster. Ein Schlag mit der dem kleinen stählernen Keil, der an einem Schaft befestigt war und bis eben noch an seinem Gürtel hing, ließ das Fenster zerschellen und die Splitter auf die Straße nieder rieseln.
Ein lautes Krachen welches aus dem Flur kam lies nichts Gutes vermuten. Diese verdammten rot gelben Finger schienen wieder im Flur zu sein und nun versuchten diese um die Tür herum in den Raum zu greifen. "Scheiße", rief sein Mann, der verzweifelt versuchte die Finger fern zu halten – doch es gelang ihm nicht. In der letzten Verzweiflung nahm er seine Wasserauswurfsvorrichtung, war sie in den Flur und schloss die Tür. Das letzte was er vom Flur draußen sah, war, das dort kein Flur mehr war. Etwas Ruhe kehrte ein.
"Erstes Fenster, links von Treppenhaus, Person gefunden, wo bleibt die Leiter?", fragte er und die knisternde verzerrte Stimme antwortet: "Steht im Stau, kommt nicht durch, es dauert noch.". Er wusste was das bedeutete und begannt das Seil aus dem Beutel zu holen. Er gab es seinem Mann und der suchte eine Befestigungsmöglichkeit. Er suchte und suchte, schließlich blieb sein Blick am Heizkörper haften. Er befand sich an der Wand, welche zum Flur grenzte, genau gegenüber des Fensters. Verdammt war es heiß hier. Er schaute kurz auf das Mädchen welches schluchzend Schutz bei ihm suchte, er sah wie sich ihre Haut in der Hitze verfärbte und begann so gleich sie in eine Thermodecke einzuwickeln. Nachdem sein Mann ihm signalisiert hatte, dass die Leine fest war, begann er das Mädchen mit ein paar akribisch geübten Handgriffen so einzubinden, das man Sie abseilen konnte und befestigte an seinem Gürtel den Knoten für die Seilführung. Zum Schluss sicherte er sich selbst.
"Bereit machen, seilen Person jetzt ab.", sprach er in sein Kommunikationsgerät und ein "Verstande.", krächzte als Antwort. Er schaute das Mädchen eindringlich durch seine und ihre Maske an: "Breite die Arme aus und spreize die Beine bist du unten bist! Das ist sehr wichtig!", schrie er durch die Maske, so das sie ihn auch hören könnte – sie nickte – "Wir holen dich hier aus!", fügte er an, dann setzte er sie auf das Fensterbrett – sie war zum Glück sehr leicht. Ein kurzer Blick auf die Straße zeigte ihm das die Anderen auf der Straße gut daran zu tun hatten das Gebäude mit Wasser zu bearbeiten.
Ein fester Griff unter die Achseln des Mädchens und er lies sie langsam herunter, bis er los lies und sie nur noch am Seil hing – sie tat wie er es ihr gesagt hatte – darüber war er froh denn die meisten waren viel zu panisch in solchen Situationen. Die Faust in ihm wurde immer angespannter. "Das Leben des Mädchens hängt an mir.", dachte er sich und versuchte sie so perfekt wie möglich nach unten zu lassen – hoffentlich hält der Heizkörper.
Nach wenigen Sekunden – die ihm wie Minuten vorkamen – war sie endlich unten und ihre Eltern rannten erleichtert zu ihr um sie zu umarmen. Noch mehr Lärm drang aus dem Flur, als würden Fäuste gegen die Tür hämmern. "LASST UNS REIN!", schrien sie den beiden Männern zu. Nun stand sein Mann neben ihm. Sie tauschten vielsagende Blicke und er nickte seinem Mann kurz zu, worauf dieser sich nun selbst mit seinem Gürtel in das Seil einband.
"LASST UNS REIN!".
Der Mann kletterte aus dem Fenster und lies sich langsam nach unten gleiten, in Richtung rettendem Boden.
"LASST UNS REIN!".
Der Heizkörper knarrte und die Rohre Bogen sich stark – "Verdammt die sind sicher schon extrem heiß.", dachte er sich. Noch ein paar Meter.
"LASST UNS REIN!".
Zwei Meter bevor sein Mann Boden unter den Füßen hatte, gellte ein ohrenbetäubender Knall hinter ihm. Er wollte sich gerade umdrehen, als das Seil an ihm vorbei und aus dem Fenster rauschte, dicht gefolgt von einem Heizungsrohr, welches seine eigentlich schützende Kopfbedeckung seitlich traf.
Nun waren sie drin.
Ihm schwirrte der Kopf als er die Augen wieder öffnete und aus dem Kommunikationsgerät tönten immer wieder die verzerrten Stimmen. Auf dem Boden liegend spähte er zur Wand, wo sich der Heizkörper befand sich sie war nicht mehr. Er erhob sich taumelnd und versuchte zum Fenster zu gehen. Ein Schritt – weiter kam er nicht, der Boden unter ihm schien plötzlich aufzuhören zu existieren und er stürzte in den Raum unter ihm, im vierten Stockwerk. Glühender Schutt lag über ihm, wie eine warme Decke im Winter. Doch diese Decke war nicht warm, die war heiß. Er spürte wie seine Jacke und die Hose der Hitze nachgaben.
Er hätte das Spektakel über sich fast schon als schön bezeichnen wollen. Das Meer aus rot-gelben Wogen und Wellen, die vielen Tausenden Glühwürmchen die durch die Luft, durch das Loch im Dach gen Himmel flogen. Er hatte nicht viel Zeit das Schauspiel zu bewundern, denn ein Dachbalken löste sich mit lautem Knacken und sauste hinab. Er schloss die Augen – sein Leben zog nicht an ihm vorbei – und trotz der brutalen Hitze, trotz des glühenden Schutts auf ihm, wurde ihm kalt, so unendlich Kalt.
Er lächelte, denn er wusste, er hatte Gutes getan.
Das hast du genial geschrieben..
AntwortenLöschenIch danke für dieses positive Feedback.
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